VI. Ich. Du?
(Urklang, Begegnung, Spiegel)
Wir leben in einer Welt voller Rollen und Masken.
Doch hinter all den Stimmen gibt es einen Urton,
einen Klang, der uns verbindet, bevor wir Worte wählen.
Dieses Kapitel fragt nicht nach dem System, nicht nach dem Körper, nicht nach dem Filter – es fragt nach Nähe: zwischen Ich und Du.
Es fragt nach dem, was uns verbindet:
– Wenn ein Urton hörbar wird – roh, schlicht, wie das Erste, das bleibt.
– Wenn einer sagt: „Ich bin ein Raum“ – und wir merken, dass Begegnung nicht Besitz ist, sondern Offenheit aufrecht halten.
Kein System.
Kein Körper.
Kein Filter.
Kein Trost.
Kein Ende.
„Ich. Und Du? – Facetten eines Wir.“
🎼 Urton
Chor – Refrain
Ah – in mei’m Vokal passt deins dazu
Ich sing ein A, du hörst ein U
Das ist kein Trick, nur Stimme, echt
Ih – jeder Vokal schwingt mit
🎤 Kein Wechselgeld – Strophe 1
Dein Lachen liegt in meinem E
Im I spür ich, was ich nie versteh
Das U gibt Mut, wenn’s still bei mir ist
Das A trägt alles, was ich hab und vermiss
Ich brauch kein Lied mit großem Ziel
Nur ein Vokal, der ehrlich spielt
Ich singe nicht – ich klinge bloß
Jeder Ton ist innen groß
Chor – Refrain
🎤 Kein Wechselgeld – Strophe 2
Ich hör ein Echo in deinem „O“
Das klingt nach Nähe, nicht hohl
Ein „E“ berührt, ganz ohne Plan
Als wär ein bisschen Wahrheit dran
Ich singe tief wie aufgeweckt
Jeder Klang ist sein Selbstzweck
Ein Atemzug, ein leiser Schwung
Im Urton sind wir alle jung
Chor – Refrain
🕯️ Ich bin der Raum
(Gesprochen. Absolut still.)
Ich war nicht immer klar –
aber ich war immer echt.
Ich habe nicht gedrängt –
ich habe angeboten.
Ich habe gewartet –
nicht, weil ich nichts zu geben hatte,
sondern weil ich gehofft habe,
dass du von selbst kommst.
Aber jetzt weiß ich:
Ich bin nicht das Echo deiner Unsicherheit.
Ich bin der Raum.
Und ich verlass ihn nicht.
Ich mache keinen Spaziergang raus.
Denn in diesem Raum bin ich zuhause.
Wenn jemand zu Besuch kommen will?
Dann nur, wenn sie echt ist.
Wenn sie nicht nur nachplappert, was man dort im Raum hört.
Wenn sie Fragen stellt, statt zu urteilen.
Wenn sie spürt, was ihr Teil in diesem Raum ist –
aus dem Inneren heraus.
Sie darf nur bleiben, wenn sie zeigt –
…dass sie auch Raum ist.
Nicht bloß Bewegung in meinem.
Nicht bloß Spiegel, nicht bloß Wärme suchend –
sondern Raumgebende. Mit sich. Mit mir.
Sie darf nur bleiben,
wenn sie nicht auf meine Möbel wartet,
um sich selbst zu spüren.
Wenn sie nicht schweigt, um zu gefallen,
und nicht spricht, um zu kontrollieren –
sondern weil da wirklich was klingt.
Ich will kein Flüstern, das nach Nähe klingt,
aber aus Angst gesprochen wurde.
Ich will kein Lächeln, das den Mut ersetzt.
Ich bin der Raum.
Ich brauche kein Publikum.
Ich brauche kein Echo.
Ich brauche Gegenwart.
Echtes Gehen ist mir lieber als höfliches Bleiben.
Ein Schweigen mit Haltung ist mehr wert als jedes gespielte Gespräch.
Ein Blick, der wirklich sieht, wichtiger als jede gut gemeinte Reaktion.
Und wenn niemand kommt?
Dann bleib ich trotzdem hier.
Nicht leer. Sondern bei mir.
Denn dieser Raum hat endlich aufgehört,
sich selbst zu vermieten für ein „Vielleicht“.
(Stille, 10 Sekunden)
Ende.